8 Tipps für den Einstieg in die Produktionsmusik (Music Library)

8 Tipps für den Einstieg in die Produktionsmusik (Music Library)

Auch wenn es in der Öffentlichkeit und in der Medien- und Kreativbranche kaum bekannt  ist, haben Produktionsmusikverlage einen der größten kreativen Outputs in der gesamten Musikindustrie. Große Produktionmusik-Verlage wie UNIPPM oder Sonoton publishen eine Vielzahl an Labels mit mehr als hundert Alben pro Jahr, Internationale Independents wie West One Music erreichen bis 80 Alben im Jahr und selbst ein kleine Verlag wie RipCue Music veröffentlicht knapp 30 Alben in einem laufenden Jahr mit 100% neuen und exklusiven Tracks. Ein unglaublicher Output einer ganzen (teilweise unbekannten) Branche.

Um dies Zahl von 30 Alben zu erreichen, muss ich mit einem festen Release Schedule arbeiten, der akribisch geplant ist. Doch im gleichen Atemzug brauchen einzelne Projekte so viel Luft, dass ich Kreativen und Komponisten den besten Rahmen bieten kann, um ein Album und Thema perfekt zu erarbeiten. Ein Balanceakt. So wie mir geht es jedem Verlag und Label da draußen, insgesamt sind wir alle extrem damit beschäftigt unseren Schedule zu erfüllen und nebenbei kümmern wir uns um Vertrieb, Marketing und die Rechtwahrnehmung.

Was heißt das für euch als Komponist?

Wie schafft ihr es trotzdem, als Produzent und Komponist diesen Kreislauf zu durchbrechen und Aufmerksamkeit auf euch zu lenken und das Interesse einer Library zu wecken?

Der beste Weg ist sicherlich mit Hilfe von jemandem, der bereits für die Music Library aktiv ist. Eine positive Empfehlung durch einen aktiven Komponisten ist mit Abstand der beste und schnellste Weg. Ebenso gemeinsame Arbeiten mit einem aktiven Komponisten können ein schneller Türöffner für Individual-Projekte sein. Denn, seien wir erhlich, jeder von uns arbeitet gerne mit bekannten Gesichtern zusammen, da kennt man sich und versteht sich schon wesentlich besser als wenn eine Beziehung bei 0 startet.

Hast du keinen Kontakt über einen Kollegen zu einer Music Library, dann könnten dir folgende Tipps helfe:

  1. Halte dich an Prozesse

Erkundige dich, ob die Library an die du herantrittst feste Prozesse für die Abgabe von Demos und Showsreels hat. Wenn ja, dann halte dich bitte an diese Prozesse. Das Ganze hat einfach Gründe und oft dienen diese Abläufe dazu, die Production Teams zu unterstützen und ihnen zu helfen, alle Demos trotz wenig Zeit durchzuarbeiten (und das können ganz schön viele sein).

  1. Der richtige Ansprechpartner

Du solltest sicherstellen, dass du mit der richtigen Person sprichst. Denke daran, dass es oft Sales und Marketing Leute sind, die das Telefon beantworten und nicht das Production Team. Sie können dir aber immer helfen, wenn es um die Prozesse der Einreichung geht und können natürlich auch eine Hilfe sein, wenn es zu der eigentlichen Auswahl kommt.

  1. Nachfragen aber nicht penetrieren

Erkundige dich, ob deine Demos angekommen sind, aber frag nicht jeden Tag oder jede Woche nach dem Status – die Production Teams haben eine Menge zu tun (s.o.). Halte dich an diesen Punkt, auch wenn es schwer ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass du in Zukunft mit der Library zusammenarbeitest erhöht sich nicht durch dein Nachfragen. Jeder bemüht sich, alle Anfragen zu beantworten und auch konstruktive Kritik zu geben. Das ist unsere Art des Respekts. Deine Art von Respekt sollte es sein, dich an bestimmte Prozesse zu halten und zu akzeptieren, dass manche Sachen einfach Zeit brauchen.

  1. ‚Hit me with your best shot‘

Deine Einsendungen sollten eine klare Linie haben und deine stärksten Fähigkeiten unterstreichen. In der ersten Phase ist es einfacher, sich auf seine bekannten musikalischen Stärken und Leidenschaften zu konzentrieren.

4.1 Denke einmal selbst darüber nach, was der Markt gerade verlangen könnte. Jeder von uns tut sich natürlich leichter zu entscheiden etwas zu produzieren, das sich auch refinanzieren lässt. Gib deine Gedanken in deiner Einreichung wieder – für mich gibt es nichts Schöneres, als mit Komponisten und Kreativen zusammenzuarbeiten, die verstehen wie meine Kunden funktionieren und aktive Potenziale erkennen.

  1. Qualität

Reiche keine „Rough Demos“ ein. Deine Arbeiten sollten immer so final wie möglich sein – denk daran, dass du deine Stärken demonstrieren sollst. Dazu sollte auch ein gewisser Qualitätsanspruch gehören.

  1. Weniger ist oft mehr

Halte es kurz. Es ist angenehmer, sich bei sowieso knapper Zeit nicht durch 20 Titel hören zu müssen. Halte es bei 5-8 aussagekräftigen Titeln. Den Stärksten immer zuerst, denn das ist der Titel, den man als erstes hört und der darüber entscheidet, ob ‚Skip Track‘ oder ‚Stop Taste‘ gedrückt werden.

  1. Referenzen

Reiche zu deinen Demos eine Liste deiner bisherigen Arbeiten und Nutzungen ein. Am Ende helfen Namen deine Fähigkeiten zu beurteilen und eine erste Einschätzung abgeben zu können.  Mit wem hast du schon gearbeitet, welche Auftragskompositionen hast du schon gemacht, in welche TV-Sendungen wurden deine Titel bereits genutzt, hast du vielleicht schon Sachen bei anderen Production Libraries veröffentlicht – all diese Informationen können nützlich für eine Entscheidung sein.

  1. Be patient!

Sei geduldig! Produktionsmusik ist ein unterhaltsames, inspirierendes und auch finanziell lohnendes Feld für viele Komponisten. Du erhältst die kreative Freiheit und die notwendige Unterstützung. Es kann sich also lohnen, entsprechend  Zeit und Geduld aufzubringen und die acht Tipps sollten dir dabei helfen, erfolgreich einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Alles in allem kann ich auch jedem nur empfehlen direkten Kontakt zu suchen. Wir sind eine sehr kommunikative Branche, die ein offenes Ohr für alle Themen hat und meistens auch die passenden Antworten auf alle Arten von Fragen – hoffentlich! 🙂

Ich freue mich wie immer über Anregungen, Feedback und Kommentare.

Vielen Dank fürs Lesen & keep ripping,
Euer Patrick

Patrick Niesler
[email protected]

Gründer & Geschäftsführer von RipCue Music. Der Junge aus dem Ruhrgebiet, der in München und de Medienwelt wurzeln geschlagen hat gründete RipCue 2015 mit einem klaren Ziel vor Augen: Spezialisiert auf Musik für die Bewegtbildindustrie, mit viel Authenzität, familiären Charakter und lokalen Flair. Im Vordergrund immer die Geschichte, die es gerade zu erzählen gilt.